>>161583 Mutmasslich ist Alkohol der Stoff, der unser Zusammenleben zu einer funktionalen Gesellschaft macht.
Vielleicht ist es eine bedeutungslose Korrelation, vielleicht besteht aber doch ein Zusammenhang. In den 50er bis 70er Jahren gehörte Alkohol in den Lebens- und Arbeitsalltag der Menschen. Das sprichwörtliche Bier auf dem Bau, der Flachmann in den meisten Schreibtisch-Schubladen, die Flasche Cognac im Büro des Chefs. Zu jedem Geburtstag wurde die Pulle Sekt schon am Vormittag geköpft. Dito beim Kaffeekränzchen. Noch in den 90ern war es bei uns in der Agentur usus, bis 21 Uhr zu arbeiten und dann ging es zum Grappa-Saufen zum Italiener. Im Grunde ist die BRD im Suff zur wirtschaftlichen Supermacht aufgestiegen und in der DDR wird es kaum anders gewesen sein. Immerhin war auch die eine der größten Wirtschaftsnationen weltweit. Die Deutschen haben das Land mit ein paar Promille in der Birne wiederaufgebaut. Nach heutigen Maßstäben waren das alles Alkoholiker. Nur fuhren damals Züge pünktlich, es wurden Wohnungen gebaut, man bekam einen Arzttermin und die Brücken und Straßen wurden gerade erst massenhaft gebaut. Mit einem Pegel Standgas im Kopp.
Seit das aber verpönt ist, ein Gesundheitsmoralismus um sich greift, stagniert der Laden und es bröckelt an allen Ecken und Kanten. Auch der Geburtenückgang ließe sich einfach erklären. Mein Lebenskonzept sah keine Kinder vor. Heute habe ich drei. Mindestens zwei von ihnen sind wegen Unvorsichtigkeit entstanden, dabei war Alkohol im Spiel. Was soll ich sagen. Das war mit Abstand das Relevanteste, was ich im Leben zustandegebracht habe. Ohne Alkohol wäre das nicht passiert, da hätten all die tausend Vernunftgründe gegriffen, jetzt kein Kind zu Zeugen.
Vielleicht ist das beim Wirtschaften ähnlich. Nüchtern sprechen viele Gründe gegen ein Handeln, mit einem Promille im Kopf macht man einfach mal.